Ingenieurbauliche Besonderheit: der Hochbau
Spinnerei 1 war mehrgeschossig hochgebaut – eine Bauweise charakteristisch für frühe Industriegebäude, die die Schwerkraft als Förderungshelfer nutzte. Der Vorteil: Das Rohmaterial kam per Aufzug hoch, das Produkt bewegte sich schrittweise nach unten durch alle Verarbeitungsstufen.
Prozessfluss von oben nach unten
Das Rohmaterial aus dem BME-Lager wurde per Aufzug in das 2. Obergeschoss transportiert. Die Karderei befand sich im 1. Obergeschoss. Das fertige Garn wurde über Fördermittel direkt in die Weberei weitergeleitet.
Die Karderei – Herzstück der Spinnerei
Die Karderei war die wichtigste Stufe: Karden sind rotierende Walzen mit Metallhaken, die Baumwollfasern voneinander trennen, parallelsisieren, reinigen und zu einem gleichmässigen Kardenband formen. Die Bandqualität bestimmt die spätere Garnqualität.
Modernisierung 1974–1989
Zwischen 1974 und 1989 wurde Spinnerei 1 stufenweise erneuert: 133 veraltete Karden wurden durch 45 Hochleistungskarden Typ C 2/1 ersetzt. Gleichzeitig: 8 Autocoro-Rotorspinnmaschinen und Erneuerung der Kämmaschinen.
Autocoro-Technologie
Die Autocoro-Rotorspinnmaschinen (Schlafhorst) boten gegenüber klassischem Ringspinnen eine bis zu 10-mal höhere Produktionsgeschwindigkeit. Das Rotorspinnprinzip (OE-Spinning) erzeugt Garn kontinuierlich – ein wesentlicher Effizienzgewinn.
- 1834/35Erste Spinnerei von Johannes Müller an der Wutach
- 1846/47Industrieller Ausbau der Spinnereikapazitäten
- 1974Beginn Modernisierung: erste neue Karden C 2/1 + 8 Autocoro
- 1974–1989Stufenweise Erneuerung aller Maschinen
- 2019Betriebsende der Spinnerei


