Spinnerei 1 war als hoch gebauter Produktionsbereich organisiert, in dem Material nicht „auf Fläche“, sondern über mehrere Ebenen verarbeitet wurde: erst ins 2. OG, dann ins 1. OG – jeweils per Aufzug. Nach Abschluss der Verarbeitung wurde das Material über ein spezielles Fördermittel in Richtung Weberei weitergeleitet.
Gebäude- & Funktionslogik (Abschnitt „Gebäude“)
- Hallenhöhe als Zeitzeugnis: „Heutzutage würde man keine so hohen Hallen mehr bauen“, weil der Aufwand (insbesondere Logistik/Vertikaltransport) hoch ist.
- Vertikaler Materialfluss: Materialfluss 2. OG → 1. OG (Aufzug-Transport), danach Übergabe zur Weberei(Fördertechnik).
- Schnittstelle zur Weberei: Die Spinnerei ist nicht isoliert zu erzählen, sondern als vorgelagerter Prozess mit klarer Übergabe (Fördermittel) Richtung Weberei.
Teilbereiche in/bei Spinnerei 1 (Abschnitt „Räume & Nutzung“)
Kaderei/Karderei (1. OG): Die Kaderei befand sich im 1. OG.
Labor (Erdgeschoss): Im Labor wurden Prüfungen durchgeführt, u. a. Abriebtests, Reißtests und Fasertest.
-Inhalte wurden selber zusammen getragen in Gesprächen. Daher keine Quellen
Innovativ Kreativ Zukunftsorientiert

1. Inhaltliche Kernpunkte
Das Plakat definiert die Unternehmenspolitik anhand von drei Schlagworten: Innovativ, Kreativ und Zukunftsorientiert. Darunter werden sieben strategische Leitlinien aufgeführt:
- Kundenorientierung: Erfüllung der Erwartungen als primäres Ziel.
- Qualität & Flexibilität: Marktführerschaft durch Anpassungsfähigkeit.
- Personal: Fokus auf die Motivation und Zufriedenheit der Mitarbeiter.
- Supply Chain: Gezielte Auswahl von Lieferanten.
- Rentabilität: Explizites Bekenntnis zum „Wirtschaften mit Gewinn“.
- Managementsysteme: Verpflichtung zur ständigen Verbesserung (KVP) im Bereich Qualität und Umwelt (entspricht den Normen ISO 9001 und ISO 14001).
- Kommunikation: Transparenz nach innen und außen.
2. Zeitliche Einordnung und Design
Die grafische Gestaltung ist ein klares Kind ihrer Zeit:
- Visuals: Die Verwendung von kontrastarmen, blau eingefärbten Stock-Fotos (z. B. das Puzzleteil, die Sprinter oder der Händedruck) war um das Jahr 2000 der Standard für Corporate-Identity-Materialien.
- Währung: Das Bild zum Thema Gewinn zeigt Geldscheine, die optisch stark an die D-Mark erinnern (insbesondere der 100er und 200er Schein), was auf eine Entstehung vor oder kurz nach der Euro-Einführung (2002) hindeutet.
- Kontext: Die Lauffenmühle (Sitz in Lauchringen) war einst ein Gigant der Textilindustrie. Dass „Umweltmanagement“ bereits so prominent platziert ist, zeigt, dass das Unternehmen damals versuchte, sich durch Nachhaltigkeit vom globalen Wettbewerb abzuheben.
Einstellungen für Karden und Streckmaschinen
Dieses Dokument gehört inhaltlich zur Karde DK 903 und zeigt sehr konkret, wie in der Spinnereivorbereitung gearbeitet wurde: nicht nur „Maschine an – Maschine läuft“, sondern ein Zusammenspiel aus präziser Einstellung und planmäßiger Wartung.
Was ist eine „Karde“ – und wozu diente sie?
Die Karde ist ein zentrales Aggregat der Spinnereivorbereitung. Sie öffnet, reinigt und parallelisiert Fasern (z. B. Baumwolle, Viskose oder synthetische Fasern) und formt daraus ein gleichmäßiges Faserband, das anschließend in Kannen abgelegt und für die nächsten Prozessstufen bereitgestellt wird.
Was zeigt das Dokument konkret?
Einstellblätter (u. a. „Einstellblatt Karde C1/2“) mit schematischen Darstellungen und Richtwerten für die Einstellung verschiedener Maschinenelemente – getrennt nach Faserarten wie Baumwolle, Viskose (Zellwolle)und synthetische Fasern. Die handschriftlichen Markierungen deuten auf betriebliche Feinjustierungen hin.
Instandhaltung/Schmierung zur „KARDE DK 903“ mit Schmierstellenübersichten und Wartungsintervallen (z. B. jährlich/halbjährlich).
Ein Blatt zum „Protokoll – Wartung und Schmierung“ (Rieter) als Vorlage, um Schmierarbeiten inklusive Datum, Betriebsstunden-Zählerstand und Bemerkungen nach Intervallen zu dokumentieren.
Das Dokument ist ein seltenes Zeugnis des Werkalltags: Es macht sichtbar, wie Produktionsqualität (gleichmäßiges Band, weniger Störungen) durch Wissen, Routine und Dokumentation abgesichert wurde – inklusive der Spuren der Menschen, die daran gearbeitet haben (Notizen, Markierungen, Mengenangaben).
Interne Abteilungsziele
Das Dokument ist eine interne Zusammenfassung der „Abteilungsziele 2004“ für die Spinnerei der Lauffenmühle GmbH & Co. KG vom 19. April 2004, ergänzt um den Ablaufplan für ein externes Audit. Die Unterlage dient dazu, die Belegschaft auf die Einhaltung von Qualitätsstandards und bevorstehende Zertifizierungen einzuschwören.
Hier ist eine detaillierte Analyse der zentralen Punkte:
1. Operative Ziele und Qualitätsmanagement Das Dokument definiert klare Erwartungen zur Sicherung der Wettbewerbsfähigkeit. Ein Kernaspekt ist die „Führung in Qualität mit Flexibilität“. Um dies zu erreichen, wird die Verantwortung direkt auf die Mitarbeiter (MA) übertragen: Diese führen Qualitätsendkontrollen mittels Aufklebern an den Spulen durch, während Schichtführer die Feinheitskontrollen im laufenden Prozess überwachen. Ziel ist die strikte Vermeidung von Reklamationen durch eine lückenlose „Off- und Online-Überwachung“.
2. Fokus auf Mitarbeiterzufriedenheit Ein markantes Ziel ist die Senkung des Krankenstandes auf dauerhaft unter 3 %. Die Strategie hierfür ist zweigeteilt: Einerseits soll ein „offener Führungsstil“ der Vorgesetzten die Motivation fördern, andererseits setzt das Unternehmen auf Gruppenarbeit und eine damit verbundene leistungsgerechte Entlohnung. Dies zeigt den Versuch, wirtschaftliche Effizienz mit einem positiven Arbeitsklima zu verknüpfen.
3. Struktur des Re-Audits (20.04. – 22.04.2004) Der zweite Teil des Dokuments regelt den Ablauf der externen Prüfung durch die Auditoren Borgwaldt und Bartels. Das Audit umfasst die Normen DIN EN ISO 9001-2000 (Qualität) und DIN EN ISO 14001-1996 (Umwelt). Besonders hervorgehoben ist das Zeitfenster für die Spinnerei am 21.04. von 10:15 bis 12:00 Uhr, in dem die Bereiche Produktion, Logistik und Notfallvorsorge geprüft werden.
4. Ressourcen- und Lieferantensteuerung Um finanzielle Mittel zu schonen, wird eine „bedarfsgerechte Beschaffung“ gefordert. Durch Preis-Leistungs-Vergleiche und die Vermeidung von „Ladenhütern“ im Lager soll die Liquidität der Abteilung gesichert werden. Dies unterstreicht den hohen Kostendruck, unter dem die Textilproduktion bereits 2004 stand.
Fazit: Das Dokument verdeutlicht die Strategie der Lauffenmühle, durch Zertifizierungen und strikte Kennzahlensteuerung (Krankenstand, Qualitätsraten) am Markt zu bestehen. Es kombiniert harte technische Vorgaben mit weichen Faktoren wie „Identifikation mit dem Unternehmen“, um die Belegschaft auf die hohen Anforderungen des globalen Wettbewerbs und der Umweltnormen vorzubereiten.
Entsorgungskonzept
Das Dokument ist ein detailliertes „Entsorgungskonzept“ der Lauffenmühle am Standort Lauchringen, datiert auf den 10. April 2002. Es dient als verbindliche Richtlinie für die Abfalltrennung und Entsorgungslogistik innerhalb des Werks, insbesondere für die Bereiche Spinnerei und Technik.
Hier ist eine detaillierte Analyse der zentralen Punkte:
1. Systematik der Abfalltrennung Das Konzept basiert auf einer strikten Trennung nach Abfallarten, um sowohl ökologische Anforderungen als auch ökonomische Effizienz (Recycling) zu erfüllen. Es kategorisiert Stoffe von gewöhnlichem Hausmüll (Blauer Sack) über Wertstoffe (EDV-Papier, Folien, Glas) bis hin zu produktionsspezifischen Abfällen wie Filterstaub aus der Spinnerei. Das Prinzip „ab Arbeitsplatz“ nimmt jeden einzelnen Mitarbeiter in die Pflicht, die Abfälle direkt an der Quelle korrekt zu sortieren.
2. Umgang mit Gefahrstoffen und Problemabfällen Ein kritischer Teil des Dokuments befasst sich mit umweltgefährdenden Stoffen. Altöl, fettverschmierte Lappen, Chemikalien und Batterien unterliegen gesonderten Entsorgungswegen. Diese werden oft über das Magazin der technischen Abteilung (TEK) zentral gesammelt und von Fachbetrieben abgeholt. Besonders markant sind die festen Zeitfenster für die Abgabe (z. B. mittwochs, 15:00–15:30 Uhr), was eine hohe Disziplin in der Betriebsorganisation widerspiegelt.
3. Verantwortlichkeiten und Logistik Das Dokument legt präzise fest, wer für welchen Schritt zuständig ist:
- MA (Mitarbeiter): Zuständig für die korrekte Trennung und den Transport zum Sammelpunkt.
- TEK (Technik) / REK (Rechnungswesen/Einkauf): Verantwortlich für die Koordination der Leerung und die Beauftragung externer Entsorgungsfachbetriebe. Diese klare Zuweisung soll sicherstellen, dass Entsorgungswege nicht blockiert werden und die Arbeitssicherheit gewahrt bleibt.
4. Dokumentation als Teil des Umweltmanagements Das Entsorgungskonzept aus dem Jahr 2002 ist ein direkter Vorläufer bzw. Baustein für das spätere Umwelt-Audit (ISO 14001), das wir in den Abteilungszielen von 2004 gesehen haben. Es zeigt, dass systematische Umweltprozesse bereits Jahre vor dem Audit fest im Betriebsalltag verankert wurden.
Fazit: Dieses Dokument ist ein Instrument der operativen Ordnung. Es transformiert abstrakte Umweltziele in eine pragmatische Handlungsanweisung für den Fabrikalltag. In einem Textilbetrieb mit hohem Aufkommen an Stäuben, Ölen und Verpackungsmaterialien war dieses Konzept essenziell, um einen sauberen und gesetzeskonformen Produktionsablauf zu gewährleisten.
Echo einer vergangenen Arbeitswelt – Die Funde im Wartungsbereich








Diese Collage aus Zeitungsfragmenten und persönlichen Notizen wurde im Wartungsbereich der Lüftungsanlage der Lauffenmühle in Lauchringen gesichert. Fernab der Produktionshallen dienten diese verborgenen Winkel den Technikern und Wartungsmitarbeitern oft als Rückzugsort, an dem sie ihre Spinde und Arbeitsplätze mit Schlagzeilen und Zitaten versahen, die ihren damaligen Zeitgeist widerspiegelten.
Ein Fenster in die Jahre 2004 und 2005 Die Fundstücke lassen sich präzise auf die Jahre 2004 und 2005 datieren. Sie dokumentieren eine Phase der wirtschaftlichen und sozialen Verunsicherung. Während Schlagzeilen über Post-Filialschließungen, Rentenkürzungen und ausbleibendes Urlaubsgeld die realen Existenzsorgen der Industriearbeiter dieser Ära abbilden, bot der mediale Boulevard die nötige Ablenkung.
Zwischen Sensation und Resignation
- Boulevard-Kultur: Reißerische Berichte über Prominente wie Maradona, Michael Schumacher oder den „Party-König“ Michael Ammer zeigen die damals dominante Medienpräsenz der BILD-Zeitung im Pausenalltag.
- Sportliche Idole: Die Sorge um die „K.o.-Fäuste“ von Vitali Klitschko steht stellvertretend für die Suche nach starken Leitfiguren in einer Zeit des Umbruchs.
- Stiller Protest: Besonders eindringlich ist die im Umfeld gefundene „Todesanzeige“ der Lauffenmühle von 1995, die zusammen mit philosophischen Zitaten (u. a. von Schopenhauer) von einer tiefen Bitterkeit über den industriellen Niedergang und die soziale Verantwortung der Großbanken zeugt.
Bedeutung des Fundortes Dass diese Inhalte im Wartungsbereich der Lüftungsanlage überdauerten, macht sie zu einem authentischen Zeugnis der „Spind-Kultur“. In diesen nicht-öffentlichen Räumen vermischten sich privater Protest, plakative Erotik und die harten Fakten der Wirtschaftskrise zu einem ungeschönten Bild der damaligen Lebensrealität. Es ist ein Dokument des Übergangs von der stolzen Industrietradition hin zur Ungewissheit der späten 90er und frühen 2000er Jahre.
Von der anderen Seite der Lüftung war der Bereich um den Rewe gut einsehbar. Dies belegt ein Bild des Aufnahmeteams.
