Die Kunst des Einziehens
Das Einziehen ist einer der arbeitsintensivsten Schritte der Webereivorbereitung. Jeder einzelne Kettfaden muss in einer exakt vorgeschriebenen Reihenfolge durch drei verschiedene Elemente des Webstuhls geführt werden – ein Vorgang, der handwerkliches Geschick erforderte.
Schritt 1: Die Lamelle
Zuerst wird jeder Kettfaden durch eine Lamelle (gelochter Blechstreifen) des Kettfadenwächters eingezogen. Die Lamelle hängt lose am Faden – reisst dieser während des Webens, fällt die Lamelle und löst sofort einen Maschinenstopp aus.
Schritt 2: Das Litzenauge
Danach wird der Faden durch das Litzenauge einer Weblitze im Webschaft gezogen. Die Reihenfolge der Einziehung bestimmt das spätere Bindungsmuster – Leinwand, Köper, Atlas oder Spezialgewebe.
Schritt 3: Webblatt und Riet
Zuletzt wird der Faden durch das Webblatt (Riet) eingezogen. Das Riet bestimmt den Fädenabstand und schlägt nach jedem Schussfadeneintrag den Faden ans Gewebe an.
Blattstechmaschine
Für grosse Kettbäume wurde eine Blattstechmaschine eingesetzt: Sie erleichterte das Durchziehen der Fäden durch das Webblatt, behielt aber den kontrollierten manuellen Einzug bei.
Rüstzeit als Produktionsfaktor
Das Einziehen eines Kettbaums mit mehreren tausend Fäden nahm mehrere Stunden bis Tage in Anspruch – ein wesentlicher Kostenfaktor in der Webereiplanung.
- vor 1900Einzieherei als rein manuelle Handarbeit
- um 1930Erste Blattstechmaschinen
- 1950erOptimierung mit neuen Webstühlen
- 1960erAnpassung für neue Sulzer-Webstühle
- 2019Letzte Einzieharbeit in der Lauffenmühle
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