Geschichte und Zentralisierung
Die Zettlerei (Gebäude 12) gehörte zum Vorwerk der Weberei und befand sich in unmittelbarer Nachbarschaft zur Schlichterei (Gebäude 11) und Weberei 3 (Gebäude 10). Sie war ein Schlüsselbereich in der Webereibereitung, der entscheidend für die Qualität und Effizienz der nachfolgenden Webprozesse war.
Funktion: Das Zetteln (Schären)
Der Prozess des Zettelns (auch Schären genannt) diente der Herstellung des Kettbaums – dem Herzstück der Webvorbereitung. Hierbei wurden hunderte oder sogar tausende einzelner Garnfäden von einem großen Spulengatter (einem Gestell mit vielen Kreuzspulen) parallel und unter exakt definierter, gleichmäßiger Spannung auf eine Walze (Zettelwalze) aufgewickelt. Dieser Vorgang stellte sicher, dass die späteren Kettfäden perfekt parallel und gleichmäßig gespannt nebeneinander lagen.
Technische Ausstattung
In der Zettlerei standen große Zettelanlagen (auch als Schärmaschinen bezeichnet) mit entsprechenden Spulengattern. Diese Gatter waren gewaltige Gestelle, auf die je nach Maschine bis zu 800 einzelne Kreuzspulen gleichzeitig aufgesteckt werden konnten. Die Anzahl der aufgezogenen Fäden und die Geschwindigkeit der Maschinen waren entscheidend für die Produktivität.
Besonderheiten
1986/87 wurde die Zettlerei im Zuge der großen Modernisierungswelle erneuert. Moderne, elektronisch gesteuerte Zettelanlagen ermöglichten eine gleichmäßigere Fadenspannung und höhere Geschwindigkeiten als die älteren mechanischen Anlagen.
- 1850erFrühe Schärerei als manuelle Vorbereitungsstufe
- um 1900Mechanisierung der Schärmaschinen
- 1950erModernisierung der Schärtechnik
- 1976/77Ausbau im Zuge der Zentralisierung von Weberei 3
- 1987Anbindung an das neue Hochregallager
- 2019Betriebsende

